Transfer nach Bishkek

Da Bishkek nur wenige Fahrstunden von Almaty entfernt ist, wollten wir die Strecke auf dem Landweg erledigen. Damit fingen die Schwierigkeiten erst an, denn Taxis bieten den Weg teilweise zu überteuerten Preisen an, der Minibus fährt in einem entfernten Stadtteil – wobei keiner dieser Busse je beim Strassenverkehrsamt eine Chance hätte. Schlussendlich konnte mit der Hilfe von Munar (meinem kirgisischen Freund) ein Taxi aus Bishkek nach Almaty organisiert werden, welches uns abholen sollte. Dies sogar zu einem akzeptablen Preis – und mit einem ganz passablen Mercedes älteren Datums…

Die Fahrt war geprägt von der draufgängerischen Fahrweise von allen Verkehrsteilnehmern innerhalb von Almaty, dann wurde der Verkehr weniger und die Geschwindigkeit höher. Mal von ein paar Geländepisten abgesehen, war die Strecke ziemlich passabel.

Strasse Almaty - Bishkek (aus dem Taxifenster)
Strasse Almaty – Bishkek (aus dem Taxifenster)

Dann kam irgendwann mal die Grenze nach Kirgistan. Dabei muss das ganze Gepäck aus dem Taxi raus und durch den Zoll um aus Kasachstan zu gelangen. Wobei das ziemlich glatt ging – bis dem Zollbeamten auffiel, dass auf dem Schweizer Reisepass die Tinte nicht trocknet. Natürlich erst nachdem der Zollbeamte diese mit dem Finger verstrichen hatte. Ein zweiter Stempel plus eine Ermahnung später war ich am Zoll vorbei. Selina wurde nicht ermahnt und hat dann den Stempel eigenfingrig verstrichen – sie erhielt aber dann kostenlos einen zweiten…

Am Kirgisischen Zoll erhielten wir dann problemlos, nach ein paar Fragen in passablem Englisch, unseren Stempel.

Ein paar 100 Meter weiter konnten wir dann alles wieder ins Taxi einladen und weiter nach Bishkek fahren wo uns Munar schon erwartete – 9 Jahre nach unserem letzten Treffen in der Schweiz!

Dank Instagram, Facebook & WhatsApp wussten wir schon ziemlich gut über die Wege des anderen Bescheid und trotz kultureller Unterschiede haben wir auf Anhieb den Draht wieder gefunden.

Issyk-Kul – See

Zuoberst auf der To-Do-List-Liste von Munar stand der Issyk-Kul See – 4 Fahrstunden von Bishkek entfernt. Also alles ins Auto umgeladen, noch kurz mit was Essbarem versorgt und ab auf die Reise. Die Strasse war grösstenteils gut ausgebaut und führte schon bald über das Gebirge an den See. Der zweithöchste Bergsee der Welt (ca. 1600 MüM) erstreckte sich in seiner ganzen Pracht vor uns. Leicht dunstig wie es war, konnten wir das andere Ufer kaum erkennen.

Unser Ziel am heutigen Tag war das Karven Four Seasons. Wo wir eine Residenz bewohnen durften. Selbstsprechend war das Resort direkt am See – während der Saison die Juni/Juli anfängt sei hier alles übervoll. Aktuell ist es aber noch angenehm leer. Gegen Abend sahen wir dann auch die Berge am anderen Seeufer – ein wahrlich einzigartiger Ort!

Karven Four Seasons auf dem Issyk Kul See
Karven Four Seasons auf dem Issyk Kul See

Am nächsten Tag waren wir, Munar’s 4×4 Fahrzeug sei dank, in der Gregoryevka-Schlucht und dem anschliessenden Ala Köll See. Eine richtige Offroad-Strecke mitten im Gebirge der Grenzregion zu Kasachstan. Für uns auch eine gute Gelegenheit noch ein paar Schritte um den See zu wandern. Leider lässt es sich im Mai wegen den Höhe und dem vielen Schnee noch nicht wirklich gut hiken.

In der Gregoryevka Schlucht
In der Gregoryevka Schlucht

Im Tal daneben gab dann noch den Austragungsort der 1st Nomad Games zu sehen, wo sich die Nomadenvölker in verschiedenen Disziplinen messen konnten. Abgerundet wurde der Tag mit einem Besuch im Museum der Kulturen „Rukh Ordo“. Interessant zu sehen, dass hier die Kulturen friedfertig miteinander leben können. Krigisen, Usbeken, Tadschiken, Uiguren und einige Weitere mit unterschiedlichen Glauben.

Museum der Kulturen am Issyk-Kul See
Museum der Kulturen am Issyk-Kul See

Tian-Shan-Gebirge

Da das Wetter rund um den Issyk-Kul-See für die nächsten Tage schlecht aussah, haben wir uns für den Rückzug nach Bishkek entschieden und dann weiter über das Tian-Shan-Gebirge nach Osh. 

Nach den 4h zurück – in Munar’s rasanten Kirigisischen Fahrweise, durften wir nach einem kleinen Stadtbummel – viel gibt es nicht wirklich zu sehen – Munar’s Schwester und deren Ehemann kennenlernen und auch dort übernachten. Da auch hier teilweise der Ramadan befolgt wird, zogen sich unsere Diskussionen bis in die frühen Morgenstunden…

Am nächsten Morgen hiess es dann los auf die 12-Stündige Autofahrt. Hier war auch wirklich für jeden was dabei, zuerst Stau aus der Stadt, dann zügige gut ausgebaute Strecken, unbefestigte Strassen, dann hoch auf über 3000 Meter mit z.T. sehr anspruchsvollen Passagen (an Munars Stelle hätten wir Blut geschwitzt). In Kirgistan sagt man von Bishkek nach Osh macht man alle Jahreszeiten durch und das stimmt wirklich. Von Hitze, Kälte, Schnee und Regen war alles dabei. 

Tian-Shan Gebirge
Tian-Shan Gebirge

Bei Nomaden kaufte Munar noch; er nannte es Kirgisische „Raffaello“, nach einem Biss war klar, es sind Käsekugeln – und die schmeckten für uns sehr gewöhnungsbedürftig…

Ankunft in Osh

So gegen 2 Uhr in der Früh kamen wir dann unversehrt in Osh an, getreu dem Ramadan hatten wir natürlich unterwegs um Punkt 20.17 Uhr ein Abendessen verschlungen (Manti – eine Art kirgisische Teigtaschen), aber als wir in Osh ankamen gab es natürlich von Munars Eltern nochmals was zu essen. Ohne Hunger und mit einem etwas flauen Magen konnten wir fast keinen Bissen herunterbringen – wie peinlich.

Aber dann, Matten aufgestellt und doch noch etwas geschlafen. Leider war im ganzen Stadtteil in Osh das Wasser ausgefallen, womit die Dusche leider ins Wasser gefallen ist…

Osh

In Osh hat uns dann Munar die verschiedenen Sehenswürdigkeiten gezeigt, insbesondere der Hausberg „Suleiman-Too“ welcher eine super Aussicht auf die Stadt bietet (bei Tag & bei Nacht). Da in der Schule gerade „Graduation“ war, durften wir auch für Fotos mit den Abschlussklassen herhalten. Auch waren wir einige Male mit Munar’s Familie unterwegs, was unsere Bild vom Land und Leute noch komplettiert hat.

Suleiman-Too (Museum)
Suleiman-Too (Museum)

Essen & Trinken

Wir haben (teilweise mussten wir sogar) fast alles ausprobiert was uns vorgesetzt wurde. Salat und Soft-Ice haben wir jedoch nach Möglichkeit gemieden. Das Essen ist sehr schmackhaft und stark gewürzt. Selina hat das besser, Patrick etwas schlechter weggesteckt. Das lag aber wohl weniger an der Qualität als an unseren empfindlichen Mägen.

Die Küche hat viele verschiedene Facetten, mit Usbekischen, Uigurischen und Kirgisischen Spezialitäten, die man nicht unversucht lassen sollte. Ob man sich die Getränke Kwas (aus Gärung von Brot hergestellt) oder das traditionelle Hefegetränk „Maksim“ aus Gerste/Mais/Weizen hergestellt (beide alkoholfrei) wirklich probieren muss, sei dahingestellt…

Lenin Statue vor dem Stadtgebäude (und der Abschlussklasse für das Abschlussfoto)
Lenin Statue vor dem Stadtgebäude (und der Abschlussklasse für das Abschlussfoto)

Geldversorgung

In Kirgistan laufen alle Geschäfte in Bar – meistens in Kirgisischen Som oder in US$. Praktisch, dass die Bankomaten der Demir Bank sowohl als auch ausspucken. Wir sind auch hier mit der Mastercard Debit gut durchgekommen. 

In Geschäften konnten wir wenn, dann nur die Visa-Karte einsetzen (mal von grösseren Hotels abgesehen). Einfacher ist in jedem Fall die Barzahlung.

Abschliessender Eindruck:

Auch Kirgistan hat uns gut gefallen, es ist etwas belebter, ärmer, weniger touristisch als wir Kasachstan wahrgenommen haben. Der Issyk Kul See und das Tian-Shan-Gebirge sind auf jeden Fall einen Besuch wert. 

Durch Munar konnten wir aber viel mehr über Geschichte, Lebensweise, Familie & politisches Umfeld erfahren als wir das sonstwie hätten erfahren können. In diesem Sinne nochmals vielen Dank!

Next

Wir unterwegs von Osh über Tashkent nach Samarkand – stay tuned!

Wir über der Stadt auf dem Suleiman-Too
Wir über der Stadt auf dem Suleiman-Too

Update 31.05.2019: Die komplette Bildergalerie konnte endlich hochgeladen werden – hier der Direktlink dazu.